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✝️EPS – Ein Nachruf auf ein Dateiformat

Veröffentlicht am 15. Mai 2024

Spoiler: Bitte vergiss dieses Dateiformat! Wenn Du noch EPS-Dateien auf Deinem Server oder in Deiner Bilddatenbank hast, dann nutze die gerne weiter. Aber bitte, bitte erzeuge keine neuen!

Du denkst jetzt vielleicht, dass das doch eine Binsenwahrheit ist und EPS schon seit Jahren auf dem Friedhof der Dateiformate liegt. Aber weit gefehlt. Erst neulich erreichte mich noch eine Frage zu dem Thema. Nein, EPS ist immer noch in den Köpfen der Anwender und Anwenderinnen. Das muss sich ändern.

Der immer noch gute Ruf mag daran liegen, dass selbst Adobe heute noch solche Informationen verbreitet:

EPS ist ein Vektorformat, das für professionelle Print-Produktionen in hoher Qualität eingesetzt wird. PostScript-Drucker und Belichter verwenden in der Regel EPS, um große, detailreiche Bilder zu produzieren, z. B. für Plakatwände, Poster oder Marketing-Material.

Das EPS-Format ist ideal für Bilder, die skaliert werden. Die enthaltenen Bilddaten gewährleisten eine gleichbleibend hohe Auflösung, auch wenn das Bild stark gestreckt oder vergrößert wird.

https://www.adobe.com/at/creativecloud/file-types/image/vector/eps-file.html

Unglaublich, dass man solche „Fakes“ noch immer lesen muss!

Historischer Blick

Das Dateiformat wurde von „Adobe“ und „Aldusbereits 1987 entwickelt. Die Abkürzung für „Encapsulated PostScript“ deutet an, dass es sich um eine Art „Postscript“ handelt, nur eben „eingekapselt“ . Zum damaligen Zeitpunkt war es eine hervorragende Weiterentwicklung der revolutionären Seitenbeschreibungssprache „Postscript“.

Warum? Während man für die Darstellung von Postscript einen „Interpreter“ benötigt, können EPS-Dateien einfacher auf den Bildschirm gebracht werden. Eine EPS-Datei enthält eine „eingekapselte“ Vorschau mit niedriger Auflösung. Die ermöglicht es einigen Programmen, eine Vorschau auf dem Bildschirm anzuzeigen. Anwendungen können diese Informationen zum Layouten der Seite verwenden, auch wenn sie das PostScript nicht direkt rendern können.

Ein großer Pluspunkt war seinerzeit, dass EPS-Dateien Pixel und Vektoren gleichzeitig in sich tragen konnten, was sie zur Universalwaffe machte. Zudem war es möglich Schriften in EPS-Dateien einzubetten, was damals ebenfalls ein riesen Vorteil war.

Risiko

Es besteht jedoch das Risiko, dass der Postscript-Teil der EPS-Datei Schadcode enthält. Prinzipiell ist es also möglich über eine EPS-Datei Viren auf den Rechner und somit das Firmennetzwerk zu bringen. Zugegeben ist das Risiko gering. Eine kurze Recherche brachte keinen solchen dokumentierten Fall ans Tageslicht.

Für Microsoft war das aber Grund genug um schon 2017 die Unterstützung von EPS in Office-Produkten zu beenden (Link) (Link).

Nachteil

Ein großer Nachteil des Dateiformats ist außerdem, dass die Vorschau, die im EPS gespeichert wird, immer nur 72ppi und RGB ist. Das war 1987 eine gute Idee, entspricht aber heute nicht mehr den Anforderungen der Publisher. Eine Tiff-, PDF- oder AI-Datei sieht in InDesign einfach besser aus, vor allem wenn sie skaliert wird.

1987 konnte noch niemand von Transparenz in Druckerzeugnissen träumen. Man war froh, wenn die Schrift wie gewünscht auf dem Papier erschien. Folglich kann ein EPS keine Transparenz enthalten und beim Abspeichern als EPS wird immer eine „Transparenzreduktion“ durchgeführt. Damit werden Fakten geschaffen, die man im Zweifelsfall so nicht will.

Aktuell passiert es immer öfter, dass alte EPS-Dateien beim PDF-Export aus InDesign Probleme bereiten. Der alte Postscriptcode ist wahrscheinlich das Problem. Die Lösung in solchen Fällen ist dann das Konvertieren das EPS in ein PDF ider AI.

Und was nehme ich stattdessen?

In der Printproduktion drängen sich natürlich TIFF für Pixelzeug und PDF oder AI für Vektorkram auf.

Wenn Du den Wunsch verspürst auch deine Bestandsdaten zu konvertieren, weil die EPS endgültig loswerden willst, dann sprich uns gerne an. Wir helfen dir gerne!

EPS? Im Ernst? Wir haben 2024! Wider Erwarten taucht das Dateiformat doch immer wieder auf in Supportfällen und Beratungsmandaten. Unser Kredo ist jedoch, es endlich die Ruhe zu schenken, die es nach Jahrzehnten verdient hat.
Christoph Steffens

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